Judith Butler und die Apologie der Gewalt. Zur Kritik ihrer ideologischen Positionen nach 9/11

Vortrag von Marco Ebert

25.10.2019 | 19 Uhr Raum A01 0-004

Die US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin Judith Butler wird an deutschen Universitäten vor allen Dingen mit ihren geschlechtertheoretischen Schriften der frühen 1990er Jahre assoziiert. Ihr politisches Engagement der letzten zwanzig Jahre, das sich in Schriften wie „Precarious Life“ (2004) oder „Frames of War“ (2009) niederschlug, bleibt in der akademischen Rezeption häufig unterbeleuchtet. Diese Texte, die Butler selbst auch als „Ethik der Gewaltlosigkeit“ verstanden wissen will, sollen eine Reflexion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 und dem war on terror darstellen. Explizit richtet sich die Akademikerin dabei an FeministInnen und LGBT-AktivistInnen im Westen. Gerade für diese Gruppen sei es wichtig eine politische Praxis zu entwickeln, die nicht für kriegerische Zwecke westlicher Regierungen instrumentalisiert werden könne. Als zentrale Mittel werden eine Neudefinition von Freiheit und Fortschritt und die Identifikation mit der eigenen Abhängigkeit gefordert.

Was zunächst nach radikalem Pazifismus klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Affirmation bestehender Gewaltverhältnisse und Indifferenz gegenüber realem Leid. Der Vortrag widmet sich der Kritik dieser von Butler forcierten Politik. Hierzu werden einige zentrale Textpassagen aus den oben genannten Veröffentlichungen der Autorin besprochen. Es wird zu zeigen sein, warum sich ihre Annahmen über die Gesellschaft nicht für eine emanzipatorische Kritik der sozialen Verhältnisse eignen. In einem zweiten Teil soll zudem dargelegt werden, wie Butler durch den gezielten Einsatz rhetorischer Tricks die eigenen ideologischen Positionen vor Kritik abschottet.

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